Stadt Krautheim

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Im Detail

Stadtführung Krautheim - Berg
Ein Gang durch Krautheims Geschichte unter besonderer Betrachtung baulicher Anlagen

Ausgangsort ist die talseitige Mauer (Stadtmauer) an der katholischen Sta dtpfarrkirche St. Marien. Mit dieser Führung durch das Bergstädtchen Krautheim erfüllt der Heimat- und Kulturverein Krautheim eine satzungsgemäße Aufgabe. Besuchern sollen natürlich Krautheimer Geschichte und Sehenswürdigkeiten aufgezeigt werden. Dem Heimatverein war aber sehr daran gelegen, neben dem in der vielfältigen Literatur zu Krautheim Festgehaltenen das Wissen der „Alten" zu notieren und insbesondere unserer Jugend zu zeigen, in welchem baulichen und sozialen Umfeld sich das Leben in Krautheim-Berg in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten abgespielt hat. In Gesprächen und Rundgängen mit älteren Bergemern wie auch Talemern wurden deren Erinnerungen auch in Details aufgezeichnet. 

Wer die Krautheimer Bergsilhouette, dominiert von Burg und Kirche, von weitem sieht, etwa von Gommersdorf kommend, könnte meinen, da oben steht eine noch mittelalterliche Stadt. Krautheim ist aber kein Museumsstädtchen mit aufgeputzten Fachwerkhäusern, Kopfsteinpflaster und Künstlerkolonien. Dennoch haben wir viele sehenswerte Gebäude, viele Bauwerke, die unter Denkmalschutz stehen. Es gibt hier aber keinen Ensembleschutz. Wurde ein Wohnhaus als nicht mehr bewohnenswert angesehen, konnte es meist abgerissen und ein Neubau erstellt werden, nach zeitgemäßen Planungsgrundsätzen, als ob das Haus in einer außerhalb der Stadtmauer liegenden Siedlungen stehen würde. Das mag man bedauern, kann man den Bewohnern aber nicht verdenken.

Blick ins Tal
Grenze zwischen Baden und Württemberg mit vielen von hier aus nicht erkennbaren, aber noch vorhandenen Grenzsteinen mit den alten badischen und württembergischen Wappen, die Jagst ist bzw. war aber nie Grenzfluss. Weinberge im Klepsauer „Heiligenberg" mit badischen An- und Ausbauregeln, Pappelwäldchen im Gewann „Judenlache", ehemalige und derzeitige Feldwegbrücke zur anderen Jagstseite.

Altkrautheim
links der Jagst im württembergischen Teil von Krautheim, ist älter als das badische Krautheim. Tal-Siedlungen wurden häufig, so auch hier, auf hochwassersicherem Schutt-/Schotterkegel eines Seitenbaches errichtet. Von Altkrautheim aus wurde um 1200 die Burg auf dem jenseitigen Berg erbaut. Altkrautheim war ursprünglich auch die Urkirche, der Pfarrort für zahlreiche Gemeinden des kurmainzischen Amtes Krautheim gewesen. Auch Krautheim war bis 1560 eine Filiale. Nachdem aber die Pest den größten Teil der Einwohner Altkrautheims hinweggerafft hatte, wurde der Pfarrsitz auf den Berg gegenüber verlegt, wo schon seit 1508 eine kleine Kirche bestand. Der gemeinschaftliche Gottesacker blieb bis 1590 in Altkrautheim.

Brücken

Straßenbrücke über Jagst bei Altkrautheim

1786

Brückenbau über die Jagst

1859

Bau der Jagstbrücke für 30 Gulden (Neubau ?)

Feldweg-Holzbrücke über Jagst

1891

für 600 M erstellt

1929 20.03

bei Eisgang beschädigt

1945

Anfang April, beide Brücken von deutschen Truppen gesprengt

1949

Jagstbrücke Altkrautheim wieder instand gesetzt

1954

neue Feldweg - Jagstbrücke (eine der ersten Spannbeton-Feldwegbrücken im Lande)

1977

Neubau (Verbreiterung) Altkrautheimer (Bogen-)Brücke, während Bauzeit Notbrücke des THW

Lokale Geologie
Das bei Krautheim auffallend breite Jagsttal ist, wie die meisten anderen Bäche und Flüsse in diesem Bereich Hohenlohes, vorwiegend in den Muschelkalk eingeschnitten. Die Hochflächen haben auf dem Oberen Muschelkalk teils eine Lößlehm- oder auch Lettenkohleauflage, während der Mittlere Muschelkalk die flacheren oberen Teile der Talflanken, der Untere Muschelkalk die steileren Partien der unteren Talflanken bildet. Diese Dreistufigkeit (steil-flach-steil) ist besonders auffallend in Nagelsberg zu sehen. Steil und oberhalb flach sehen wir auch von hier aus: der Schlossberg liegt im Unteren Muschelkalk. Gleich am Anfang des Weges durch den Schlossberg ist ein geologischer Aufschluss, der im Wellenkalk sehr schön eine tektonische Verwerfung zeigt. Und im flachen Bereich des ausgelaugten Mittleren Muschelkalks stehen die Häuser von Krautheim.

Durch die Lage im Bereich der tektonischen Aufwölbung des Fränkischen Schildes (Assamstädter Spezialschild), das zwischen Dörzbach und Krautheim das Jagsttal quert, ist hier der Rötton des Oberen Buntsandsteins teilweise noch über die Talsohle herausgehoben. So kommt es, dass die Jagst oberhalb Dörzbach noch im engen Tal des Muschelkalkes fließt, dann den Buntsandstein im weiten Tal der leicht erodierbaren Röttone durchläuft und weiter talabwärts am Abfall der Aufwölbung wieder in den Muschelkalk mit der Talverengung eintritt. Gleiche Verhältnisse finden sich im Kochertal zwischen Künzelsau und Weißbach. In Ingelfingen hinter dem Friedhof steht der Buntsandstein auf einige 10 m gut sichtbar an. Übrigens sind auch die Talgrundwässer vergleichbar. Die Mineralwässer in Bad Mergentheim wie auch die früher etwas mehr genutzten in (Bad) Ingelfingen und die erbohrten, aber nicht genutzten auf der Altkrautheimer Seite der Talaue zeigen einen ähnlichen Mineraliengehalt (Säuerlinge).

Derzeitig ist der Rötton anstehend nicht zu sehen, da mächtige Hangschuttmassen vor allem über den nach Nordost exponierten Südost-Hang des Jagsttales gebreitet sind. Die Höhenlage der Grenze Muschelkalk/Buntsandstein kann daher an den Talrändern nicht angegeben werden. Am Nordrand des Tales (Krautheimer Seite) dürfte der Buntsandstein unter Talniveau liegen, während er am Südrand (Altkrautheimer Seite) mit Sicherheit noch in den Hang hineinreicht. Baugrunduntersuchungen am Krautheimer Wehr haben rechts der Jagst unter den quartären Lockerschichten noch Unteren Muschelkalk ("Wellendolomit") angetroffen, während links des Flusses Quartär auf Rötton liegt. Also muss hier im Zuge der Jagst eine Verwerfung in der Talsohle verlaufen.

Bergseitig der Ginsbachtalstraße von Altkrautheim nach Unterginsbach liegt am Fuße des Hohberg südlich der Mündung des Meßbaches das Gewann „Rote Erde"; dort ist der Buntsandstein oberflächennah, aber dennoch ohne Schürfungen nicht sichtbar.

Schlossberg / Gewann Rosenberg – u.a. Flurstücke 1352 mit 88.000 m² und 7/2 mit 11.403 m². 1863 verkauft der Domänenverwalter Benz namens des großherzoglichen Domänenärars an die Gemeinde Krautheim den Schlossweinberg mit 3 Morgen 322 Ruthen (rund 15.300 m²) zu 400 Gulden. Der Zugang zum Schlossweinberg wird durch das sogenannte Münchgärtchen gestattet. Je nach Land/Herrschaft sind 1 Morgen 25 bis 36 a, in Krautheim um 35 a (1a=100 m²), eine Ruthe etwa 15 m². 1889 Rittmeister Schmidt kauft Schlossberg für 4500 M von Stadt. Schlossnahe Teile wurden im 20. Jahrhundert als Schlossgärtnerei durch Gärtnermeister Menrath genutzt. 1952 wurde der Schlossberg aufgeforstet. Seit 1974 gehört der Schlossberg wieder der Stadt und muss von ihr gepflegt werden. Sehenswertes schmiedeeisernes Renaissancetor am Eingang zum Schlossberg. Gleich vor der ersten Kurve des Weges interessanter geologischer Aufschluss des mittleren Muschelkalkes mit Verwerfungen.

Kurze Geschichtskunde

1150 - 1250

Edelherren von Krautheim

um 1200

Burgbau

1250

Otto von Eberstein heiratet Beatrix von Krautheim

1250 - 1350

Edelherren von Eberstein (bei Baden-Baden / Murgtal)

1306

Boppo von Eberstein erhält von König Albrecht I. von Habsburg Stadtrecht, Rechte wie Stadt Rothenburg/Tauber; Stadtmauer und Torturm dürfen nun gebaut werden

ab etwa 1350

Übergang auf Mainz und Würzburg

ab 1399 bis 1802

voll in Mainzer Besitz; Krautheim wurde verwaltet durch vom Mainzer Kurfürsten ernannte Amtmänner, die meist dem niederen Adel angehörten

1516

Götz von Berlichingen gegen Marx Stumpf von Schweinberg; Götz hat in einer hellen kalten Winternacht im Zwist mit dem Amtmann den Schafstall im Tal in Brand gesteckt und seinen durch Goethe’s „Götz von Berlichingen" so bekannten Spruch vom Tal hochgerufen.

1525

wegen Teilnahme am Bauernkrieg Stadtrechte entzogen – an deren Stelle ab 1528 Albertinische Ordnung mit einer stark eingeschränkten Selbstverwaltung.

1594

Älteste Landkarte der Gegend von Krautheim bis Aschhausen (Generallandesarchiv Karlsruhe).

1802 - 1806

Zwischen Reichsdeputationshauptschluss und Rheinbund war Krautheim aus Napoleons Gnaden Sitz eines Fürstentums Krautheim mit Hoheitsrechten bis Gerlachsheim/Grünsfeld (Fürstentum Krautheim-Salm-Reifferscheid)

1935

Im 3.Reich tritt „Deutsche Gemeindeordnung" in Kraft, damit erneut Entzug der Stadtrechte.

1972/73

Kommunalreform in Baden-Württemberg, bei der auch die 170 Jahre alten Grenzen zwischen Baden und Württemberg durcheinander kamen.

ab 1.1.1973

gehört das Krautheim in seiner jetzigen Größe mit ehemals badischen wie auch württembergischen Ortsteilen zum Hohenlohekreis mit Sitz in Künzelsau.

Name Krautheim
Mit Kraut = Kohl hat der Name kaum etwas zu tun. Eine für Kohl besonders geeignete Bodenart gibt’s um (Alt-)Krautheim (siehe unten) herum nicht. Außerdem ist der alte Name für Kraut: Kappes. Wallrauch bringt Krautheim mit dem Vorkommen von Heilkräutern in Verbindung, die in und um Kr. besonders häufig und zahlreich zu finden seien. Kinder kämen weither, um in Kr., insbesondere bei den Salzwiesen, „Krautbüschel" zu sammeln. Aus dem Odenwald kämen jährlich Kräuterfrauen, um hier Heilkräuter zu sammeln. Kr. sei also ein „Kräuterheim". (Lehrer Wallrauch aus Dörzbach in „Der Wartturm – Heimatblätter für das badische Frankenland", Juli 1927).

Im vom Erscheinungsdatum her neueren Kr. Burgführer (1979, Verlag Schnell & Kaiser) gibt es weitere Erklärungen: Der Kr. Stammname Crato dürfte zu Crut geführt haben. Der Name könne aber auch vom alten Saiteninstrument Chrwt, gesprochen Crut, kommen, vielleicht war ein Krautheimer ein Minnesänger (es gab verwandtschaftliche Beziehungen zu Schenk von Limpurg, der in der Manesse Liederhandschrift genannt wird). Auch die auffallende Ähnlichkeit der Wappenschilder mit dem von Minnesänger „Reinmar der Alte" aus Hagenau (9 schwarz-silberne Streifen, Krautheimer Wappen 11) deutet darauf hin. Schließlich gibt es noch die Deutung Crut = Mannschaft; Schar, Gefolge (im englischen „crew" oder „crowd"), das Heim eines Gefolgsmanns des Kaisers.

Vor- und Frühgeschichte
Krautheim-Berg in vorgeschichtlicher Zeit, eine Fliehburg. Prof. Dr. Oscar Paret aus Ludwigsburg hat zusammen mit Oskar Leistikow Anfang 1955 Grabungen an der Krautheimer Stadtmauer und Wall im Bereich Hof Maier unternommen. Er kommt zum Schluss, dass dieser Bergsporn, 300m lang und im Norden 190 m breit, als Fliehburg ausgebaut war (Früheisenzeit bzw. Hallstattzeit, 8. bis 5. Jahrhundert vor Christus). Der vorgeschichtliche Graben – im Verlauf des heutigen Grottenweges - wurde allerdings durch den mittelalterlichen Stadtgraben umgestaltet und so zerstört. Burg und Stadt Krautheim liegen also in einer vorgeschichtlichen Fliehburg, die anderthalb Jahrtausende ältere Wehranlage hat man sich beim Bau der Stadt zunutze gemacht.

Weitere Informationen

Quelle

Bearbeitet von Edmund Strommer
Stand November 2006
Ergänzt: 02.01.2009/17.05.2009

Literatur:
Broschüre Stadt Krautheim Sanierung Berg,
Aktenvermerk Besichtigung G. Klein / BM Ziegler
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg,
Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale,
Krautheim – April 2003
Chronik der Stadt Krautheim (Leistikow-) Wilhelm Walz
Krautheim/Jagst von Herwig John

Geologie:
Prof. Carle; Hagdorn/Simon; Strommer
Verschiedene Arbeiten von Oskar Leistikow
Gespräche mit Krautheimer Bürgern

Bildmaterial:
Dr. Christof Lomb

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